Die Glocken von St. Martin

Die Glocken von der Kirche St. Martinus

Glockenweihe am 7.11.1948Die Geschichte

Im Jahre 1868 wurden drei neue Glocken von Meister Claren in Sieglar in den Tönen F, G , A , gegossen. Die größte Glocke hat die Aufschrift einer viel älteren, umgegossenen aus dem Jahre 1430 erhalten. Sie lautet:

SENTEN MARTIN HIESSEN ICH
ANNO 1430.

Bild des h. Martinus. - Die Höhe der Glocke ist 83, der Durchmesser 106 ctm.

Inschrift der zweiten Glocke:

IN HONOREM B. M. V. SINE LABE CONCEPTA.

Bild der unbefleckt empfangenen Jungfrau Maria. - Die Höhe beträgt 78. der Durchmesser 99 ctm.

Inschrift der dritten Glocke:

IN HONOREM BEATAE BABARAE ET SANCTI ROCHI.

Während des 2. Weltkrieges, am 18. März 1942; musste die Pfarrgemeinde ihre beiden größten Glocken an den Staat abgeben. Die Martinsglocke und die Barbaraglocke wurden eingeschmolzen und das Rohmaterial zu Kriegszwecken benutzt.

Nach dem Krieg bemühte man sich, die fehlenden Glocken so schnell wie möglich zu ersetzen. Die 4 Glocken wurden am 6. November 1948 auf festlich geschmückten Fahrzeugen nach Merten gebracht, wo sie am 7. November 1948 vom damaligen Domkapitular Pfarrer Dr. Wilhelm Neuss geweiht wurden. In einer festlichen Zeremonie, die vom Pfarrkirchenchor unter der Leitung von Josef Lennarz mitgestaltet wurde, wurden sie wieder in den Turm gebracht, wo sie sich heute noch befinden.

Die Bedeutung des Glockenläutens hat sich allerdings verändert. Früher verkündete der Glockenton Neuigkeiten und war nicht nur der Ruf zum Gottesdienst. In vielen Gemeinden wird die Totenglocke geläutet, wenn jemand verstorben ist und viele Pfarrangehörige treffen sich an der Kirche und lesen die Aushänge. In Merten läutet die Totenglocke am Abend vor der Beisetzung 15 Minuten lang. Doch auch bei anderen Gelegenheiten hört man die Glocken - oder auch nicht.

Mit dem Abend des Gründonnertags beginnt der dreitägige Höhepunkt des katholischen Kirchenjahres: das Triduum Sacrum. Es umfasst das letzte Abendmahl am Gründonnertag, das Leiden und Sterben Christi am Karfreitag, die Grabesruhe am Karsamstag und die Auferstehung in der Osternacht. Zum letzten Mal erklingen die Glocken beim Gloria in der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag. Danach schweigen die Glocken – sie „ fliegen nach Rom „, wie es im Volksmund heißt. Warum sie nach Rom fliegen? – dafür gibt es verschiedene Erklärungen:

  • Um Milchbrei zu essen oder Kaffee zu trinken
  • Um mit dem Papst Mahlzeit zu halten
  • Um sich den päpstlichen Segen zu holen
  • Um Ostereier zu holen, die sie bei der Rückkehr ins Gras legen

Mit dem Gloria in der Osternacht setzt das Geläut der Glocken wieder mit vollem Klang ein und kündet von der Auferstehung Jesu Christi.

Während der Osterzeit, die mit dem Pfingstfest endet, wird in unserer Pfarrgemeinde wie auch in anderen gebeiert.
Das Beiern findet heute allerdings nur eigeschränkt statt, da der Nachwuchs fehlt. Wer Interesse hat dieses Handwerk zu lernen, kann sich an das Pfarrbüro wenden.

 

Die Inschriften der Glocken

Glocke I: Martinus-Glocke
IN HONOREM SANCTI MARTINI
(Zu Ehren unseres Pfarrpatrons des heiligen Martinus)

Glocke II: Rochus-Glocke
IN HONOREM SANCTI ROCHI
(Zu Ehren des heiligen Rochus)

Glocke III: Barbara-Glocke
IN H O N O R E M SANTI BARBARAE
(Zu Ehren der heiligen BARBARA)

Glocke IV: Alte Marien-Glocke
IN HONOREM BEATAE MARIA VIRGINIS
(zu Ehren der allerheiligsten Jungfrau Maria)

 

Klangliche Beurteilung des Geläutes

nach Musikdirektor Jakob Schaeben, Euskirchen bei Köln (1905-1980):
Glocke I-III: „Die auf einer vorzüglichen Stimmungslinie liegenden Schlagtöne treten beim Läuten klar und deutlich in Erscheinung; das melodische Element des Gesamtgeläutes wird in makelloser Klarheit intoniert. Die wesentlichsten Harmonietöne schmiegen sich in ausgezeichneter Reinstimmung an die Schlagtöne an, mit Ausnahme der zu tief liegenden Unteroktave es – 5/16, die den Zusammenklang mit einer leichten Trübung überschattet. Die Unteroktaven, Primen und Terzen zeigen ein ausgeglichenes, volles Klangvolumen ohne Härte. Die Vibrationsfähigkeit ist besonders bei der es‘- und g‘-Glocke selbst für Stahlglocken etwas kurzatmig, genügt jedoch zur volltönenden Überbrückung der Schlagtonpausen. Obwohl die Quinten vermindert sind, treten sie nicht störend in Erscheinung. Die zahlreichen, bis zur Doppeloktave nachweisbaren [Blatt 60] Obertöne beleben den Klang mit festlichem Glanze. […]. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Intonation der Schlag- und Harmonietöne im Allgemeinen gut gelungen ist. Störende Nebentöne konnten nicht eruiert werden. Ebensowenig konnte eine übermässige Härte der Klangentfaltung festgestellt werden. […]. In musikalischer Hinsicht kann die Abnahme der Glocken empfohlen werden“ (Gutachten in: StAB, Sammlung Hans Meyer, Nr. 74, Blatt 60 und 61).
nach Gerhard Hoffs, Köln (*1931)
Glocke IV: Diese Glocke hat insofern einen hohen Denkmalwert, weil sie vom Geläute aus dem Jahre 1922 noch vorhanden ist. Im Prinzipaltonbereich (von Unteroktave bis Oktave) fällt auf, daß die Unteroktave zu tief ausgefallen ist. Man kann von einer None sprechen. Die Prime und die Terz gehen im Stimmungsmaß (z. B. -1) annehmbar mit dem Nominal einher. Dagegen ist die Quinte (bedingt durch die zu tiefe Unteroktave) reichlich tief ausgefallen. Man muß von einer verminderten Quinte sprechen. Der reich besetzte Mixturbereich ist frei von Störtönen. Die Duodezime (wichtig für die Festlegung des Nominals) geht im Stimmungsmaß (z. B. +2) genau mit der Oktave (+2) einher. Die Doppeloktave fällt, wie gewohnt, höher aus. Da die Nominalquarte nicht zu kräftig ausgefallen ist, übertönt sie den Nominal keineswegs. Insgesamt braucht nur von geringfügigen innenharmonischen Störungen gesprochen werden. 1922 war die Beschaffung von qualifiziertem Material erschwert, so daß die Abklingdauerwerte bis zu 50% unter dem heute zu fordernden Soll festgestellt werden. Das Klangvolumen, das Singtemperament der Glocke fällt entsprechend aus. Die Glocke ist ein Zeugnis der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges und hat deswegen ihren Denkmalwert.

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